Bosnienfahrt
Teilnehmer
unsere Eindrücke
Organisationen
Geschichte/Heute
Fotos
Links
Gästebuch

eMail

YAEM-Counterservice
Geschichte/Heute

 Krieg in Bosnien-Herzegowina  Vorgeschichte, Verlauf, Heute

(Ursachen, Konfliktparteien und ihre Ziele , Verlauf , Schritte zum Friedensvertrag, Kriegsverbrechen, Heute, Lösungsansätze)

Unmittelbar nach seiner Anerkennung als souveräner Staat bricht im April 1992 in Bosnien-Herzegowina der Krieg aus.

Ursachen:

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Jugoslawien unter Marschall Tito in eine sozialistische Bundesrepublik umgewandelt. Die sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Makedonien führten ein starkes Eigenleben. Seit der Staatsgründung forderten die jeweiligen Länder mehr Mitspracherechte für sich.

 1974 wurden Partei und Staat mittels einer Verfassungsänderung weigehend föderalisiert.

Da die einzelnen Länder aufgrund unterschiedlicher historischer und nationaler Identität (teilweise) entgegengesetzte Ziele und Vorstellungen bezüglich des Politik- und Wirtschaftswesens besaßen, kam es oft zu Streitigkeiten. Gelegentlich sprach man auch von einer Überföderalisierung, da es den einzelnen Republiken ermöglicht wurde, durch ihr Veto-Recht die Beschlüsse der Bundesregierung zu blockieren. 

 Die Folge davon war, daß die Bundesregierung schließlich handlungsunfähig wurde.

Dies gab den nationalistischen Bewegungen neuen Auftrieb.

1983 wurde der spätere Präsident Alija Izetbegovic zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.  Man verdächtigte ihn, einen islamischen Staat auf jugoslawischem Boden errichten zu wollen.

Die extremen nationalistischen Führer der bosnischen Serben und auch der bosnischen Kroaten benutzten den schon immer vorhandenen Nationalismus als Argument für eine unbedingte Trennung nach Nationalität der in Bosnien-Herzegowina lebenden Bevölkerung. Die Abspaltung der Menschen in die drei großen Gruppen, den Serben, Kroaten und Moslems, in Bosnien wurde stark vorangetrieben. Wechselseitiges Misstrauen und latenter Nationalismus gehörten zum jugoslawischen Alltag.

Hinzu kamen noch die starken regionalen Entwicklungsunterschiede. Die daraus entstandenen Verteilungskämpfe zwischen reicheren und ärmeren Republiken, trotz (vergeblicher) Versuche seitens der Regierung durch Entwicklungshilfe und Aufbaubudgets sorgten für zusätzliche Spannungen.

Wachsende ökonomische Probleme durch Misswirtschaft und Überbürokratisierung führten Jugoslawien in den achtziger Jahren in eine Wirtschaftskrise, die eine hohe Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Die wachsenden sozialen Ängste machten die Bevölkerung anfällig für nationalistische Parolen.

Durch den Zusammenbruch der Wirtschaft und die steigende Inflation wurde eine Reform des Systems unbedingt notwendig. 

1989/90 spaltete sich die jugoslawische Einheitspartei, der "Bund der Kommunisten".

Die slowenischen Kommunisten hatten monatelang auf die Einführung einer parlamentarischen Demokratie gedrängt, während die serbische Parteiführung am Einparteiensystem festhalten wollte.

Als 1990 bei den ersten demokratischen Wahlen in fast allen Republiken nationalorientierte Parteien  in die Regierung gelangten, war es nicht mehr weit bis zur Spaltung Jugoslawiens.

Die einzelnen Republiken arbeiten gezielt auf die Unabhängigkeit hin. Slowenien und Kroatien erklären sich am 25. Juni 1991 für unabhängig. Bosnien-Herzegowina und Makedonien folgten wenige Monate später, Serbien und Montenegro gründeten eine neue jugoslawische Föderation, die Bundesrepublik Jugoslawien. 

 Im April 1992, unmittelbar nach der internationalen Anerkennung Bosnien-Herzegowinas, entbrannte  ein brutaler Krieg. 

 

Konfliktparteien und ihre Ziele:

Die nationalistischen Führer:

     Moslemführer Alija Izetbegovic

     Serbenführer Radovan Karadzic

     Armeechef Ratko Mladic (serbisch)

Die Ziele:

- der Serben: Bildung "Groß-Serbiens", d.h. Anschluß der von Serben größtenteils besiedelte Gebiete Bosnien-Herzegowinas an Serbien; "ethnisch saubere" Gebiete in "Großserbien"

-   der Kroaten: Vereinigung der hauptsächlich im Süden liegenden Gebiete Bosnien-Herzegowinas, in dem mehrheitlich Kroaten leben, mit Kroatien.

-   der Moslems: Ein Staat Bosnien-Herzegowina auf multikultureller Basis

 

Verlauf:

Die bosnischen Serben eroberten in einer Art Blitzkrieg zwischen April bis September fast 70% des bosnischen Staatsgebietes und riefen dann die "Serbische Republik" aus.

Eine Militärallianz zwischen Kroaten und Muslimen gegen die Serben wurde gebildet.

Anfang 1993 zerbrach die Allianz aufgrund der Ausrufung der Republik "Herzeg-Bosna" durch die herzegowinischen Kroaten. Die Moslems hielten als einzige an einem zentralregierten, multiethnischen Bosnien fest.

Der "Zweite Krieg" begann: eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Kroaten und Muslimen.

Anfang 1994 gelang es den internationalen Vermittlern, die Vertreter der bosnischen Kroaten und Muslimen auf die Gründung einer gemeinsamen Föderation zu verpflichten.

Im März 1994 kämpften die beiden Militärs wieder miteinander gegen die Serben.

Dadurch gerieten die Serben zunehmend in Bedrängnis. Dies führte zu einer Pattsituation, die Voraussetzung für den Friedensvertragsabschluß von Dayton.

 

Schritte zum Friedensvertrag:

1995-09-08: Genf: Die Außenminister Kroatiens, Bosnien - Herzegowinas und der Bundesrepublik   Jugoslawiens verständigen sich auf einen von der internationalen Kontaktgruppe (Rußland,  Deutschland, Frankreich, Großbritannien unter der Leitung der USA) ausgearbeiteten Friedensplan.  Der Plan sieht eine Trennung Bosnien - Herzegowinas in zwei Gebietseinheiten mit der  bosnisch-kroatischen Föderation Bosnien-Herzegowina (51%) und der Serbischen Republik in  Bosnien (49%) vor.

1995-09-26: New York: Ein Einverständnis über die zukünftige politische Struktur Bosnien- Herzegowinas wird erzielt. Eine internationale Friedenstruppe (IFOR) soll die Einhaltungen der Bestimmungen überwachen.

1995-05-10: Die NATO stellt ihren Plan vor, im Auftrag der UNO nach Abschluß eines  Friedensabkommen im Rahmen der IFOR bis zu 70 000 Soldaten bereitzustellen.

 Waffenstillstandsbeschluß auf zwei Monate befristet

1995-10-12: Waffenstillstandsbeschluß tritt in Kraft, ab 1995-10-20 wird er an allen Fronten eingehalten.

1995-01-11: Beginn der Verhandlungen über ein Friedensabkommen auf der US-Luftwaffenbasis   Wright-Patterson in Dayton Ohio. Die Präsidenten Bosnien-Herzegowinas (Alija Izetbegovic),  Kroatiens (Franjo Tudjman), und Serbiens (Slobodan Milosevic) sind vertreten.

1995-12-14: Unterzeichnung des Friedensvertrags durch die Präsidenten der drei beteiligten Länder. Eingeschlossen ist darin die gegenseitige Anerkennung zwischen der Bundesrepublik Jugoslawien und  Bosnien-Herzegowina.

Vertragsinhalt (zusammengefaßt):

 -    politische Garantie des bosnischen Staates in seinen bestehenden Grenzen 

-    direkt gewähltes Parlament mit Unter- und Oberhaus

  -   neunköpfige Präsidentschaft mit je drei Muslimen, Kroaten und Serben

  -   Bewegungsfreiheit der Bürger mit Rückkehrrecht der Flüchtlinge in ihre Heimat

   -  militärische Einsetzung der IFOR-Truppen zur Einhaltung des Vertrags

  -   Entmilitarisierung Sarajevos innerhalb sieben Tagen, Abzug ausländischer Militärs binnen eines  Monats, Rückzug der kämpfenden Parteien um zwei km hinter die Waffenstillstandslinie.

Umsetzung im militärischen Bereich größtenteils fristgemäß, im zivilen Bereich eher stockend. Dieser Friedensvertrag war Voraussetzung für die am 1996-09-14 stattgefundene demokratische Wahl zum Präsidenten.

Folgende Personen standen zur Wahl:

-     Moslemführer Alija Izetbegovic (Demokratischen Aktionspartei, SDS): sein Ziel ist ein  zentralregiertes, multiethnisches Bosnien auf demokratischer Basis

-     Serbenführer Krajisnik (Serbische Demokratische Partei, SDP): sein Ziel ist ein Großserbien, radikale Abspaltung des serbischen Teils und Angliederung an "Restjugoslawien"

 -    Kroatenführer Zubak (Kroatische Demokratische Gemeinschaft, HDZ): sein Ziel ist die Vereinigung der traditionell kroatisch besiedelten Herzegowina mit Kroatien,

Mit knapper Mehrheit siegte Izetbegovic.

 

Kriegsverbrechen:

Die Mittel zur ethnischen Säuberung standen im Zentrum der Kriegsverbrechen.

Alle möglichen Arten von Einschüchterung und Gewalt wurden eingesetzt, um Einwohner aus bestimmten Gebieten zur Flucht zu bewegen. Durch Angriffe auf Hab und Gut, durch Deportationen, Internierungen, Vergewaltigungen, Folter, Verstümmelungen, Mord und andere Gewalttaten wurden ethnisch möglichst einheitliche Gebiete erzwungen.

Die brutale Umsetzung der nationalistischen Ideen band die Menschen stark an ihre jeweils eigene Nationalität. Entsprechend konnten sich nationale Parteien profilieren, deren Ziel die wirtschaftliche, kulturelle (sprachliche) und militärische Dominanz des vertretenen Volksstamms war.

Die brutale Verfolgung dieser Ziele führte zu kaum vorstellbaren Greueltaten - hauptsächlich durch die Serben, aber auch durch die anderen Kriegsgegner.

Stellvertretend für dieses unendliche Leid sollen hier erwähnt sein:

  -   ca. 540 Moslems in einem Massengrab bei Kluc, vermutlich von serbischen Bosniern erschossen

 -   über 124 verhungerte Zivilisten in Banja Luka

-   die Mehrzahl der nach der Eroberung von Srebrenica verschleppten sechs- bis achttausend Muslime wurde vermutlich von Serben erschossen und in Massengräbern verscharrt.

Im März 1996 sind mehr als 190 Massengräber bekannt.

Am 1996-07-11 werden gegen Karadzic und Mladic internationale Haftbefehle erlassen; sie wurden im Jahr zuvor in Den Haag des Kriegsverbrechens angeklagt. Sie sind aber bis heute auf freiem Fuß!

97-07-11: Die internationalen Friedenstruppen sind erstmals gegen gesuchte Kriegsverbrecher vorgegangen: der Krankenhausdirektor der Serbenhochburg Prijedor, Milan Kovacevic, wurde ohne Zwischenfälle festgenommen.

98-04-24: Aufgebrachte Serben greifen den bosnischen Erzbischof Vinko Puljic und 200 Kroaten während eines Gottesdienstes in der Stadt Derventa an, die beinahe bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Die örtliche Polizei kann die Menschenmenge aber von ihrem Vorhaben abbringen, die Kirche in Brand zu setzen.

Folgen während des Kriegs:

Aus Angst vor den ethnischen Säuberungen verließen schon im Juni 1992 1,4 Millionen Menschen ihre Heimat.

Am Ende dieses Jahres waren es schon über zwei Millionen, und im Sommer 1993 überschritten die Zahlen die Viermillionengrenze.

1995 fand ein weiterer großer "Exodus" statt. 170 000 Serben flohen aus der Krajina beim Angriff der kroatischen Armee. 40 000 Muslime flohen aus Srebrenica und Zepa vor den Serben und weitere 170 000 Serben verließen Westbosnien während der darauf folgenden kroatisch-muslimischen Offensive. 

Heute ist Bosnien-Herzegowina in drei ethnisch weitgehend homogene Gebiete eingeteilt.

 

Heute:

Mindestens 200 000 Tote und noch mehr Verletzte, ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung wurde ausgelöscht.

Über 50 % der Gebäude sind zerstört und weite Landstriche vermint.

Menschenrechtsverletzungen

Wirtschaftlicher Zusammenbruch - über 95 % der Produktion des Landes liegt brach.

Überfüllte Krankenhäuser mit mangelnder medizinischer Versorgung.

Familien wurden getrennt und können nicht mehr zusammengeführt werden.

Fehlendes Kapital, fehlende Arbeitsplätze

Steigende Obdachlosenzahl

Infrastruktur zerstört (insbesondere Wasser- Gas- und Stromversorgung)

Steigende Kriminalität

Probleme bei der Integration von zurückkehrenden Flüchtlingen

 

Lösungsansätze:

Massive wirtschaftliche Unterstützung durch die Mitgliedsstaaten des Weltwirtschaftsgipfels.

Schutz der sehr jungen Demokratie durch IFOR-Truppen ("Implementation Force"). Das Mandat dieser Truppe dauert nur noch bis Juni 1998, dann sollen die 36.000 Soldaten aus 32 Nationen abgezogen werden. Doch alle Anzeichen deuten auf eine Verlängerung der internationalen Friedensmission hin. Die neue Schutztruppe, die dann vielleicht DFOR (Deterrence Force) heißen soll, wird aus deutlich weniger Soldaten bestehen und nur noch an bestimmten Schwerpunkten stationiert werden.

Schonende Rückführung der Flüchtlinge (seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens Ende November 1995 sind rund 60.000 bosnische Kriegsflüchtlinge aus Deutschland freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt)

Konsequente Aufarbeitung und Verfolgung der Kriegsverbrechen

Beginn des Versuchs der Aussöhnung auf allen Ebenen vom einzelnen Bürger bis zur Regierung

Einbindung aller aus "Altjugoslawien" hervorgegangener Staaten in den Friedensprozeß

 

Zusammenfassung:

Das historische Pulverfaß Europas scheint allmählich wieder zur Ruhe zu kommen, es ist aber ein sehr zaghafter Frieden - eine erneute Eskalation der Gewalt ist nicht mit Sicherheit auszuschließen. 

Seit der Schlacht auf dem Amselfeld kam die Region nie wieder richtig zur Ruhe.  Bosnien ist zwar als Staat bestätigt und die einzelnen Parteien befriedet. Niemand darf sich aber in dieser (trügerischen) Ruhe ganz sicher fühlen.

Europa und die anderen beteiligten Staaten müssen den Friedensprozeß aktiv fördern und dieses Krisengebiet weiter im Bewußtsein halten, auch wenn von dort kein Rohöl exportiert wird.