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unsere Eindrücke

Während der Fahrt hatten wir die Gelegenheit unsere Erlebnisse gleich in den GAJB-Laptop einzugeben.

Eindrücke und Anmerkungen der TeilnehmerInnen

Manifest unserer Unfähigkeit zu begreifen, was hier vorgegangen ist und des früh formulierten Bedürfnisses, unsere Göttinger respektive sonstigen warmen Stuben und warmen Duschen wiederzubeziehen ...

Unfähigkeit? Vielleicht ist es einfacher zu sagen, man sei unfähig zu begreifen, was hier vorgegangen ist, als davon auszugehen, daß man fähig ist, “Unbegreifliches” zu begreifen oder Teile davon. Krieg wird von Menschen angezettelt und geführt. Vielleicht ist es schwerer, der eigenen unfriedlichen persönlichen Seite ins Auge zu blicken? Sich mit Aspekten zu beschäftigen, die man lieber nicht sieht, thematisiert, ins Selbstbild integriert. Sich gar mit der Möglichkeit zu beschäftigen, man könnte selber beteiligt sein. Nicht nur als unfreiwillig involviertes Opfer, sondern mutwillig. Vielleicht erfährt man mehr von der angeblichen Unbegreiflichkeit, wenn man diese Hürde nicht umgeht, sondern sich in die unbequeme Reise in emotionale Abgründe begibt. Vielleicht kann eine reale Reise unfreiwillige Abgründe auftun, die den Einstieg in menschliche Abgründe erzwingen? Ich glaube eigentlich überhaupt nicht an Unbegreiflichkeit, sondern eher an die Angst vor der Begreiflichkeit.

Mit den eigenen Worten Begriffe finden, ist das Begreifen ? Dann wäre es billig zu schreiben, hier haben Menschen Menschen getötet. Das ist allgemein verständlich. Aber die Erfahrung getötet zu haben, und sei es nur in Gedanken, fehlt. Aber die Hypothese sei aufgestellt: Was wäre, wenn ... ich 1991 in Mostar ein Kind oder Jugendlicher gewesen wäre ...

Dann könntest du froh sein, heute hier noch zu schreiben, provokativ gesagt, aber du wärest auf jeden Fall hilflos gewesen, im schlimmsten Fall vielleicht sogar zum Militärdienst eingezogen und sogar zum Mittäter? (oder doch Opfer?) geworden.

Müssen wir uns nicht vielmehr die Frage stellen, was können wir jetzt tun, um Rassismus und Gewalt zu verhindern? Gibt es nicht auch bei uns inzwischen sogenannte "national befreite Zonen", in der es keine Ausländer (mehr) gibt, in die sich kein Asylbewerber mehr traut und Antifaschisten um Ihre Gesundheit fürchten müssen? Wo bunte Haare schon zum Verhängnis werden können?

Es ist immer schwer zu unterscheiden, wo man eine Sache im Keime "ersticken" muß oder ...

In Mostar hatten die beiden Stadtzonen unterschiedliche Zeiten. Während im einen Teil bereits Sommerzeit war, galt im anderen noch die Winterzeit.

Im Gespräch mit Damir, fragt er stets nach der Philosophie des Todes. Er versteht nicht, daß ich mir darüber (noch) keine intensiven Gedanken mache, da in meinem Umfeld eher die Älteren sterben. Er beharrt aber darauf, daß der Tod jederzeit auf einen wartet.

Was ist der Sinn des Lebens? Viele Studierende in Bosnien haben keine Zukunftsvisionen, keine Arbeitschancen etc. Den Sinn sehen sie (v.a. betrunken) im Feiern und Spaß haben: die Discos sind gut besucht, die Partys in vollem Gang.

Das Fotografieren von Ruinen fällt auf das Unverständnis von passierenden Autos. Eine Faust wird uns gezeigt.

Antwort eines Kroaten, warum Bosnien-Herzegowina multi-kulti bleiben soll: Es macht so viel Spaß in Sarajevo mit serbischen Mädchen auszugehen.

Mostar besteht hauptsächlich aus Cafés, die auch besucht sind. Wie Jude sagte, werden die Erlebnisse verdrängt und nicht aufgearbeitet. Kann ein Krieg aufgearbeitet werden?

Damir sagt, daß er Ärger mit seiner Mutter hatte. ER zeigt Wunden, die von einer handgreiflichen Auseinandersetzung stammen. Seine Mutter sei nach dem Krieg anders, sie sei immer so nervös.

Damir wurde im Krieg dreimal verletzt. Er hatte Glück, er hätte auch sterben können. Wie ist es, wenn ein junger Mensch von damals 14 Jahren im Angesicht des Todes steht?

Eine Stadt, ein Krieg, zwei Teile, eigentlich zwei Welten. Und ich sehe keinen Unterschied - was geht vor?

Nicht die Ruinen entlang der Front ist das schockierende, sondern für mich sind es die (friedlichen) Wohnhäuser, die keine großen Beschädigungen aufweisen. Aber Einschusslöcher sind überall. Noch kein Haus habe ich gesehen, das nicht beschossen wurde.

Mostar ist wahnsinnig schön - habe mich ein bißchen in diese Stadt verliebt. Wie kann man einen solchen liebenswerten Ort zerstören?

Ich sehe den Menschen den Krieg nicht an.

Irgendwie ist es schon komisch. Hier fahren (prozentual) mehr Autos deutscher Marken herum als in Deutschland, und jeder dritte kann deutsch sprechen.

Scheinbar gibt es nicht unerhebliche Spannungen zwischen zurückkehrenden Flüchtlingen und denen, die den Krieg hier aushalten mußten. Die Zurückgebliebenen sind doppelt gearscht. Sie haben den Krieg am eigenen Leib erlebt und müssen jetzt zusehen, wie viele Bosnier als für diese Verhältnisse reiche Menschen zurückkehren, auch aufgrund der ausgezahlten "Rückführungsgelder" der deutschen Kommunen. Teilweise geht es soweit, daß Minen in Neubauten gelegt werden, die für Zurückkommende von der deutschen Regierung gebaut wurden.

Auftauchende Fragen:

- Was wollen wir hier überhaupt?

- Was nehmen wir uns heraus, hier aufzutauchen und den Leuten "in die Seele" gucken zu wollen?

So richtig verstehen werden wir den Krieg nie. Mit Einheimischen zu reden fällt auch schwer, da man zu denen nicht den richtigen Zugang findet. Aber auch, wenn wir Leute von hier kennenlernen würden (egal aus welchem "Lager" ...), werden diese wahrscheinlich nicht über das Erlebte reden wollen. Einen richtigen (vollständigen) Eindruck werden wir uns in den 3 oder auch 4 Tagen nicht verschaffen können. Aber wir können vielleicht ansatzweise verstehen, was ...

Eines scheint aber sicher. Der Krieg hatte keine richtigen "Gewinner"! Es leidet immer nur die Bevölkerung. WIESO DAS GANZE ???

Wird Mostar jemals wieder eine Zukunft haben? ... fast kein produzierendes Gewerbe. Die Touristen kann man an einer Hand abzählen. Wie werden die gut 60T Einwohner überleben können. Die unzähligen Cafés werden sich nicht alle auf Dauer halten können. Und wahrscheinlich wird der Tourismus in dieser Stadt nie mehr das, was er vor 10 Jahren war. Die schöne Berglandschaft ist durch die Minengefahr jedenfalls "unbrauchbar" geworden.

Die Atmosphäre in der Stadt ist schwer einzuschätzen und sie verändert sich ständig. Schwer ist es auch, die Dinge, die man sieht, zu bewerten. Am ersten Abend war ich von der Stadt und dem Leben hier absolut begeistert. Die vielen Cafés und Bars, die laute, überall gegenwärtige Musik ließen auf Lebenslust und Optimismus schließen, der trotz der schlechten Bedingungen hier zu existieren schien. Als Jude uns dann am nächsten Tag erzählt hat, daß die Menschen einfach nichts mit ihrer Zeit anzufangen wissen und um sich von der Realität abzulenken, den Tag in Cafés verbringen, da hat sich die gesamte Situation in meinen Augen geändert.

Hala ist zwanzig Jahre alt. Er ist in Mostar geboren und aufgewachsen. Die Zeit des Krieges hat er dort verbracht. Er sagt, er liebt diese Stadt und haßt sie gleichzeitig. Er interessiert sich nicht für Politik, aber er studiert die Politiker. Er bezeichnet sie und das politische System als "Mafia". Seine Prognose, falls die SFOR die Stadt verließe, lautet: "War!" Seine Zukunft sieht er nicht in Mostar. Er will die Stadt verlassen, aber er weiß noch nicht, wohin er gehen wird.

Mostar-Gras. Das Gras, das in den Bergen rund um Mostar wächst, ist eher mittelprächtig.

Igor vom "Mostar Peace Project" erzählt aus einer Sicht: Nur ca. 20% der jetzigen Bevölkerung Mostars ist identisch mit der Vorkriegsbevölkerung. Seine Eindruck ist, daß die "Alteinheimischen" eher daran interessiert sind, die Grenze in der Stadt zu überqueren, weil sie die Stadt ungetrennt kennen und erlebt haben und sie eher als Ganzes sehen. Er sagt, er glaubt nicht daran, daß der Abzug der SFOR Krieg bedeutet. Er betrachtet derartige Aussagen eher als (legitimen) Ausdruck von Angst und Unsicherheit. Er betrachtet die SFOR und andere internationale Organisationen eher als "Besatzer", die sich in Mostar die Zeit vertreiben, die experimentieren, bevormunden und auch behindern. Relevant sei s. E. vor allem der finanzielle Aspekt. Die internationalen Organisationen bringen Jobs und Geld in das Land. Auch deswegen fürchte man ihren Abzug. Er stellt die Frage in den Raum, wer den teuren Krieg eigentlich finanziert hat?

Die Grenze existiert nicht real und nicht auf einer Karte, sondern sie existiert in den Köpfen.

Es ist selten, daß man in Konfliktgebieten einen Menschen trifft, der sagt: "Ich erzähle euch heute meine Wahrheit, aber andere Menschen in dieser Stadt haben eine andere Sicht auf die Dinge." Oft habe ich erlebt, z.B. in Israel, daß Menschen der verschiedenen Konfliktparteien ihre Ausführungen mit dem Satz anfangen: "Listen man, I tell you the truth now."

Vielleicht stellen wir die falsche Fragen, um die hiesige Situation zu verstehen. Wir fragen viel (fast ausschließlich) nach dem Krieg, dessen Ablauf und nach Gründen. Warum fragen wir nicht nach Frieden? Genau darum geht es doch in der jetzigen Situation in Mostar: von einem Zustand des Krieges über einen Zustand des Nicht-Schießens (das keinesfalls mit Frieden gemeint sein kann) zu einem dauerhaften Frieden zu finden. In diesem Kontext müssen wir uns Gedanken darüber machen, was Frieden eigentlich ist. Frieden als Abwesenheit von militärischer Gewalt ist wohl etwas zu kurz gefaßt. Mit diesem Verständnis können wir die Aufgabe von "Mostar Peace Project" und "Mladi Most" nicht finden. Frieden hat doch auch etwas mit Zukunft, Party, Lebensqualität, Bewegungsfreiheit und Sicherheit zu tun? Was ist Frieden? Was verstehen die Leute hier darunter? (Ich bitte um eine Antwort!)

Willibor von der OSZE in Mostar ist 29 Jahre alt und sagt, daß er und seine Freunde den Krieg sich hätten entwickeln sehen, aber versucht hätten, weiter so zu leben wie vorher. Er wünscht sich, daß er sich damals dazu geäußert hätte. Nicht, daß er glaube, daß dies etwas geändert hätte, aber er würde sich jetzt besser fühlen. Politisch aktiv zu sein, zu informieren, seine Meinung auszudrücken, hält er für eine sinnvolle Sache.

Nach einer knapp 3stündigen Fahrt sind wir dann in Sarajevo angekommen. Das “feeling” hier ist ein ganz anderes als in Mostar. Das mag daran liegen, daß die Stadt 10x so viele Einwohner hat. Aber auch hier sind noch viele klare Spuren des Krieges zu sehen. Was ich ziemlich bewegend fand, war der Tunnel. Durch diesen wurde Sarajevo über eine längere Zeit während des Krieges versorgt. Ca. 20 Meter des ursprünglich 800 Meter langen Tunnels sind z.Zt. begehbar. Das Haus selbst (wo der Tunnel beginnt) ist als eine Art Museum umgebaut. Der Besitzer des Hauses erzählte uns die ganze Geschichte des "Tunnels" und zeigte uns letztendlich ein Video aus "vergangener Zeit" ... der Zeit des Krieges in Sarajevo. Erinnerungen, die man an sich schon vergessen hatte, kamen wieder hoch. Lange Zeit hat man diese Bilder nicht mehr gesehen ... fast wären sie in Vergessenheit geraten. Diesen Fehler sollte man allerdings nicht machen. Nie sollte man so etwas vergessen. Bleibt nur zu hoffen, das die MENSCHEN lernen.

Erstaunlich war auch die Art und Weise, wie der "Tunnel-Typ" (der Name ist mir leider nicht bekannt, deshalb greife ich hier auf solch saloppe Darstellungsweise zurück) heute mit der Vergangenheit und Gegenwart BiHs und Sarajevos umgeht. Er scheint ein ziemlicher Nationalist zu sein (seine Aussage, daß wenn Dayton nicht gewesen wäre, er bis zum Ende gekämpft hätte, läßt für mich jedenfalls darauf schließen), der einerseits mit seinem Museum das Heldentum der bosnischen Armee hochhält und seinen persönlichen Beitrag dazu, andererseits ist es aber für ihn eine Art, seine Erfahrungen und Erlebnisse zu verarbeiten, indem er sich täglich damit konfrontiert. Praktischer oder vielleicht besser trauriger Weise ist das für ihn die einzige Möglichkeit, sein Brot zu verdienen, denn auch seine Familie ist von der hohen Arbeitslosigkeit betroffen.

Jedoch bleibt uns, die wir hier nur für kurze Zeit in BiH sind, die wahre Armut verborgen. Dies meinte auch "unser" SFOR-Referent. Die wahre Armut ist auf dem Lande. Eine solche, die wir uns wahrscheinlich nicht vorstellen können.

Sarajevos Altstadt an sich ist trotz der Ruinen noch halbwegs "nett" anzusehen ... Wenn man jedoch in die Neue Stadt (Novi Grad) kommt, merkt man irgendwie, das man im ehemaligen Ostblock ist. Betonburgen dicht an dicht. Kein Wunder, daß sich so viele Einheimische in der Altstadt tummeln. Die Neue Stadt ist nicht gerade optimal für einen gemütlichen Abendbummel geeignet.

Die Stadt ist so grau in grau, daß die zerstörten Häuser ohne Dächer, ohne Fenster, mit Einschußlöchern und Brandspuren erst bei genauerer Betrachtung auffallen, wenn man nicht direkt davor steht. Erstaunliche Einblicke kann man in die Ruinen machen: Wäsche hängt zum Trocknen zwischen Schutt, Grün wuchert aus Granatenlöchern und die Balkone werden benutzt, obwohl sie keine Geländer haben. Viele Kinder spielen zwischen den Hochhäusern. Der Asphalt ist gemustert mit Granateneinschlaglöchern, die aussehen wie Impfnarben.

Alles Scheiße alles Mist, wenn du nicht besoffen bist ! (Zitat von Boijena, SHL)

In Bosnien hat sich die Stadt-Land-Differenz wesentlich verschärft.

In Bosnien-Herzegowina liegen vermutlich 6.000.000 scharfe Minen.

Im Krieg wurden etwa 100.000 Menschen verletzt. Warum sehen wir kaum Behinderte auf der Straße? Cornelius meint, daß sie sich vielleicht schämen und zu Hause bleiben.

Der Krieg hat die Menschen aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und über das ganze Land verteilt oder darüber hinaus. Die Leute vom Land sind in die Stadt gekommen und nun sehen die Städte aus wie ein Dorf. Umgekehrt mußten die Städter die Stadt verlassen und leben nun teilweise im Ausland und teilweise auf dem Land.

Während ich in Sarajevo ältere Menschen beobachte, ist es als ob der Blick durch ein Fenster in eine andere Kultur abschweift. Beim Anblick der jungen Leute ist es mir, als ob ich in einen Spiegel schaue.

In der Gruppe wurde die Frage zweigeteilt diskutiert, was man davon hält, daß die SFOR aus politischen Gründen auf eine Festnahme der Hauptkriegsverbrecher vorerst verzichtet.

Bosnien ist zweigeteilt in eine bosnische Föderation zwischen Muslimen und Kroaten und die Republik Srbska (Serben). Beide haben eine sehr unterschiedliche wirtschaftliche Situation zu meistern.

Viele Menschen haben zur SFOR und zur deutschen Bundeswehr in Bosnien eine gespaltene Meinung. Sie empfangen per Satellit deutsches Fernsehen. Sie fragen aufgrund der Berichterstattung, ob die Deutschen die Serben hassen, da ständig die Serben verantwortlich gemacht werden. Andererseits machen sie gute Erfahrungen mit den deutschen Soldaten bei der SFOR.

In der Gruppe wurde die Differenz zwischen amerikanischer und deutscher (europäischer) Rückführungspolitik gespalten diskutiert. Nach dem Dayton-Abkommen sollen alle Vertriebenen und Flüchtlinge wieder in ihrer Heimat angesiedelt werden und Bosnien somit wieder zum multiethnischen Staat werden. Mit dieser Politik soll nicht hingenommen werden, daß durch Vertreibung und Krieg Fakten geschaffen werden. Während die Amerikaner die Rückführung konsequent durchsetzen, haben sich die deutschen SFOR-Einheiten davon zurückgezogen, weil auch die Geflüchteten oftmals nicht zurück wollen, da sie vielen Anfeindungen ausgesetzt sind, die mit regelmäßigem Einwerfen von Fensterscheiben lediglich anfangen.

Ich stehe vor einem der vielen ausgebombten Häuser in Sarajevo. Alles ist vollkommen zerstört, nur noch die Wände, Treppen, Schornsteine und die Öffnung, wo die Fenster waren, sind zu sehen. Aber ich bin fremd, kann Mitleid empfinden, habe damit aber nichts zu tun. Wie muß ein Mensch fühlen, der in diesem Haus ein glückliches Leben verbracht hat? Aufgewachsen ist, Geburtstage, Volljährigkeit und Führerschein gefeiert hat? Ich bin fremd in dieser Stadt ...

Velida zeigt mir eine Stelle in der Fußgängerzone von Sarajevo, wo eine Granate eingeschlagen ist, wobei viele Menschen verletzt und getötet wurden. Ich frage sie, ob das Absicht oder ein Versehen war. Sie schaut mich fragend an: "Kann Krieg ein Versehen sein?"

Velida ist 21 Jahre alt. Sie hat über Beziehungen einen Job in Sarajevo gefunden hat. Ihre Familie wohnt in einer anderen Stadt. Sie verdient mit etwa 350 DM monatlich gut. Davon schickt sie ihren Eltern 200 DM zum Leben. Momentan ist ihre Schwester bei ihr zu Besuch, weil sie keine Schuhe mehr hat. Velida soll ihr neue kaufen.

Der vielleicht größte Wunsch von Velida ist ein Auto. Damit könnte sie in die Stadt fahren. Aber sie verwirft den Gedanken sofort wieder, denn in die Stadt fahren kostet Geld und das hat sie nicht.